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Annot Rhul - "Lost in the Woods "
(Sulatron, 2007)

 

"Lost In The Woods" ist zum einen der Name der EP aus diesem Jahr, als auch Titel dieses Albums, welches neben der EP das 2006er Werk "Who Needs Planes Or Time Machines, When There Is Music And Daydreams?" enthält. Beim Lesen des Bandnamens Annot Rhül kam mir für einen kurzen Moment in den Sinn, es handele sich womöglich um eine Cover- oder Tributegeschichte von Amon Düül. Dem ist aber nicht so, die Truppe kommt aus Norwegen und eigentlich handelt es sich um Sigurd Lühr Tonna, der mit verschiedenen Mitstreitern durch alle möglichen Stile wie z.B. Prog, Psychedelic und Krautrock wuselt und uns ein schönes Album mit insgesamt 17 Tracks in den Player legt.
Im Prinzip könnten jetzt all diejenigen, denen der Name Dave Schmidt aka Sula Bassana (Weltraumstaunen, Zone Six, Liquid Visions), bzw. dessen Plattenlabel Sulatron Records etwas sagt, aufhören zu lesen. Weil die Namen Sulatron Records und Sula Bassana gar keinen anderen Schluss zulassen, dass der Kenner auch die Musik von Annot Rhül mögen wird.
Gleich die erste Nummer erschlägt einen fast mit einer melancholischen Melodieführung, die unbedingt an die ganz alten Pink Floyd mit einem Schuss Beggars Opera erinnert. Wie die Band selbst schreibt, wurde sie zur EP "Lost In The Woods" von Psychedelic Rock und Horrorfilmen(!) inspiriert. Mellotron und Moog passen natürlich hervorragend zu diesem Genre und ganz besonders intensiv kommt die Stimme von Lene Stakset in "Ghost Children". Jesses, das ist Kerzenmusik und spätestens beim Beginn zu "Deadly Nightshade" dreht man sich unwillkürlich um, um sich zu vergewissern, dass Boris Karloff (†02.02.1969) nicht auferstanden ist und hinter einem steht.
Dieses Stück dauert nicht lange und leitet über zu "Roses Blue". Ja genau, der Joni Mitchell-Nummer, allerdings mit der typischen Annot Rhül-Attitüde. Auch "Sailing On The River Styx" läßt der (mythologischen) Fantasie freien Lauf, dient allerdings auch nur als Übergang zum Psycho-Rocker "The Dark Lord", dem härtesten und rockigsten Stück der EP.
Who Needs Planes Or Time Machines, When There Is Music And Daydreams?
Schauen, bzw. Hören wir ein paar Jahre zurück. Mit "Mirage", dem siebten Titel des Albums startet das 2006er Album "Who Needs Planes Or Time Machines, When There Is Music And Daydreams?", welches in dem Zeitraum von 2003 bis 2005 aufgenommen wurde. Auch hier ist die Richtung klar, schaut man sich die Instrumente an: Wurlitzer, Mellotron, Moog, Fender Rhodes, Harpsichord usw.
Zu den verträumten und süßlichen (im positiven Sinne) Keys, gesellen sich immer wieder präzise Basslinien und lassen die Stücke entweder klingen wie ein frischer Sommermorgen ("Planes Or Time Machines"), oder aber wie eine Raumreise im defekten Sternenkreuzer ("Light").
Die Platte strotzt nur so von allerlei Überraschungen und Harmoniewechseln. Da springt es von Dur nach Moll. Sphärische Gitarrenklänge wechseln sich ab mit exotischen Sitarklängen ("Carlos' Brothers"). Immer dabei allerdings die vielfältigen Tasteninstrumente. Und auch immer liegt den Kompositionen eines zugrunde: Die Musik ist zum bewussten Hören gemacht, denn zum nebenbei Hören kann und sollte man dieses Werk nicht verschwenden.
Sogar etwas südamerikanischer Touch ist in "King Arthur" auszumachen, wogegen "Knife Valley" in bester Space/Glamrock-Manier daher rollt. Jedenfalls bis Bass und Tasten breaken und die Nummer in eine progressive Ecke schieben.
'Gruselig' startet "The Haunted Mansion" und zeigt schön, wie Musik 'Stimmung' verbreiten kann.
"Aurora Borealis" pusht sich in bester Kraftwerk-Tradition nach vorne - anstelle der roboterhaften Affinität gibt es hier jedoch eine gehörige Portion Psychedelic. Der Rausschmeißer "Stung By A Cactus" geht wieder in Richtung Südamerika: Die Band nennt diesen Stil Mariachi Surf. Schön und leider schon vorbei. Wollen wir hoffen, dass die Verbindung von Sigurd Lühr Tonna und Dave Schmidt von Dauer ist und wir auch in Zukunft von diesem Musiker hören werden.

Ulli Heiser für rocktimes.de

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