Interview @ Progressive Newsletter

 

Annot Rhül – Lost in the woods

Komisch, was einem das Gehirn manches Mal für Assoziationen vorgaukelt. Keine Ahnung, warum aus Annot Rhül in der eigenen Vorstellung auf einmal Amon Düül wurde. Musikalisch ist diese Verbindung doch eher irritierend, denn während die deutsche Band tief im Krautrock verwurzelt ist, ist das norwegische Pendant mehr im 60s Psychedelic Rock unterwegs. Dabei sind die Nordländer vor allem tief in skandinavischer Melancholie mit Breitwand Mellotronsounds, sowie ebenso in der progressiven Vergangenheit, bisweilen im Space Rock Kosmos verwurzelt.
„Lost in the woods“ ist wie ein souveräner Sprung in eine Zeitmaschine, denn Annot Rhül sind komplett in den späten 60ern und frühen 70ern zu Hause. Doch wird hier gänzlich auf den pathetischen Einschlag verzichtet, der in den späten 70ern dem Progressive Rock das Genick brach, vielmehr geht es hier erdig, aber dennoch typisch skandinavisch und etwas verschroben zur Sache. Eindeutige Pink Floyd Zitate dürfen aber ebenso nicht fehlen. Psychedelic und Space Rock Zutaten sorgen für die nötige Abgehobenheit, etwas Sitar darf es gerne auch mal sein, ansonsten wird von der Band aus Trondheim vor allem mit analogem Instrumentarium der Vergangenheit (Synthesizier, Mellotron, Orgel) gehuldigt und eben genau jene Sounds erzeugt, den man von einem Retroprojekt erwartet. Doch trotz zeitlicher Rückbesinnung und floydigem Psychedelic Einschlag sind die 17 Songs / Fragmente kein laues Aufkochen allseits Bekanntem, es ist vor allem die eindringliche Stimmungstiefe, die den unverwechselbaren Zauber dieses Albums ausmacht.
Somit eine weitere beachtenswerte und überaus gelungene Veröffentlichung von Sulatron Records, dem kleinen, aber sehr feinen Label von Dave Schmidt (aka Sula Bassana).
Kristian Selm