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Annot Rhül - Lost In The Woods
Sulatron records (2007)
(17 Stücke, 60:30 Minuten Spielzeit)

Die neue CD des norwegischen Projektes Annot Rhül besteht aus zwei sehr unterschiedlichen Teilen. Die ersten sechs Titel ergeben die bisher unveröffentlichte, zweite „Lost In The Woods“-EP vom September 2007, die restlichen elf die „Who Needs Planes Or Time Machines, When There's Music And Daydreams? “-CD, aufgenommen im März 2006. Aus dem Duo der ersten selbstvertriebenen EP ist bei diesen Aufnahmen eine umfangreiche „Gruppe“ geworden, wobei die halbe SEID-Besetzung bei beiden Teilen mitwirkt. „Lost In The Woods“ ist inspiriert von Horrorfilmen, entsprechend getragen wird hier musiziert. Die Melodien sind elegisch-düster, die Texte gruselig. Die ersten paar Takte lassen einen unwillkürlich an PINK FLOYDs „Meddle“ denken, wenn der Gesang einsetzt kommen mir die frühen ELOY in den Sinn. In diesem Stilmix spielen sie fünf Stücke lang. Dabei treffen sie eine Filmatmosphäre sehr gut, es gibt klangliche Reminiszenzen an entsprechende Filme wie weiblich-geisterhafte Chöre, Mellotronstreicher oder Kinoorgelklänge. Mit dem „dunklen Lord“ verlassen sie diese Richtung und bieten brachialere Gitarrenriffs, erhöhtes Tempo und rauen Gesang. Diese EP ist für Freunde floydscher Klänge zu empfehlen, mir persönlich insgesamt etwas zu eintönig. Deutlich besser für meine Ohren wird es mit den restlichen Tracks. Die rein instrumentalen Stücke beginnen mit wunderschönsten FRIPPERTRONICS bei „Mirage“ und danach variieren sie in den Stücken CAMEL, TANGERINE DREAM oder PINK FLOYD mit dem 60s-Sound der ersten EP „The Annot Rhül Surf Experience“. Dies wird durch den Einsatz alter, analoger Geräte noch verstärkt. Fazit hier: sehr abwechslungsreich, schöne Melodien und trotzdem auch genug „Verstecktes“ für Entdecker - gelungen. Insgesamt also eine gelungene Veröffentlichung, wobei meinem Geschmack die Stücke 11- 17 eher zusagen. Ein Konzert der Øresund Space Collective kann man sich kostenfrei in diversen Formaten laden, bei dem neben Annot Rhül auch Sulatronchef Dave Schmidt und Organ Morgan mitmischt. Schöne Geste und gutes Konzert.
Andreas Plaeschke, Februar 2008

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